Wer von uns sehnt sich nicht nach einer Traumfigur? Wer von uns ist schon mit seinem Körper so zufrieden, wie er derzeit ist – vor allem, wenn einem aus dem Fernsehen die Schönen der Werbung, die alles tragen, essen, trinken können, mit strahlendem Lächeln entgegengrinsen. Ich persönlich habe Schwierigkeiten, solche Spindeldürren zu verstehen, wenn sie klagen, sie wären „zu fett“. Deren Probleme hätte ich gern ... seufz ...

 

Nachdem ich nun bei einer Größe von einsfünfundsechzig stattliche 85 Kilogramm auf die Waage brachte, beschloss ich – wieder einmal! –, dieser nach oben offenen Gewichtszunahme ein endgültiges Ende zu setzen. Aber wie? Mein Entschluss, etwas zu ändern, stand fest. Ich nahm mir etwas Zeit und ließ in aller Ruhe die letzten Jahre Revue passieren.

 

Von etlichen Jahren – 1986 – wog ich 55 Kilo. Ich hatte gerade erfolgreich von 71 Kilo abgespeckt: bei den Weight Watchers in nur drei Monaten. Die Gewichtsabnahme funktionierte wunderbar, nur war das Mühsame bei der ganzen Angelegenheit, dass ich mich den ganzen Tag mit dem Essen beschäftigen musste. Wer hat schon die Zeit, das zu tun, frage ich Sie? Jeder Bissen musste gezählt, umgerechnet und gewogen werden. Es ist übrigens Quatsch, dass diejenigen, die zwischen den wöchentlichen Wiege-Ritualen wieder zugenommen hatten, Strafe bezahlen mussten. 

 

Nach Erreichen meines Endgewichtes ging ich in die „Erhaltung“. Dabei stellte ich fest, dass es immer schwieriger wurde, das Erreichte zu halten. Schritt für Schritt bei gleicher umständlicher Ernährung ... nahm ich langsam, aber konstant wieder zu.

 

Hinzu kam, dass ich weder Hähnchenfleisch noch Fisch in Dosen mehr sehen konnte – geschweige denn essen. Diese Ernährungsform hing mir schlichtweg zum Hals raus. Ich nahm zu und nahm zu – Kilo für Kilo. Langsam, aber sicher. Ich begann – wie viele von uns, die erfolglos alles versucht haben, um abzunehmen – mein Gewicht zu akzeptieren. Dick oder mollig oder pummelig oder (wie manche Herren der Schöpfung zu sagen pflegen) „griffig“ – ist schick! Meine Bilanz war also, dass ich in mehr als zehn Jahren rund 30 Kilogramm (!) zugenommen hatte. An den Portionen konnte es nicht liegen: Sie waren normal groß, ich habe nicht besonders fett gekocht, und an der Zeit, nämlich spät nachmittags (etwa 17.00 Uhr), konnte es auch nicht liegen. Naschen – Süßes wie Salziges – stand ebenfalls nicht auf meinem Speiseplan. Kein Eis, kein Kuchen, keine Kekse, keine Bonbons, keine Erdnüsse und auch keine Kartoffelchips. Eigentlich nichts, was dem Leben – nach landläufiger Meinung – erst das richtige Vergnügen verleiht.

 

Ich beschloss, wenn ich nun mit dem Abnehmen beginne, mir kein Ziel zu setzen. Immerhin habe ich etliche Jahre gebraucht, um aufzuspecken, also durfte ich nun nicht den Fehler machen, die 30 Kilo in wenigen Monaten wieder abnehmen zu wollen. Zeit ist ein wichtiger Faktor beim Abnehmen, damit es klappt und man nicht gefrustet täglich von der Waage runter steigt.

 

Überhaupt – sich täglich auf die Waage zu stellen, ist ebenfalls ein großer Fehler. Höchstens einmal wöchentlich, eher noch seltener. Darüber hinaus muss man sich darüber im Klaren sein, dass der Mondzyklus entscheidenden Einfluss auf die Gewichtsabnahme haben kann. Ich habe bei mir festgestellt, dass bei zunehmendem Mond, wo der Körper speichert und aufnimmt, was man ihm zuführt, auch das Abnehmen bei strengster Diät eher stagniert. Bei abnehmendem Mond wiederum purzeln die Pfunde, ohne dass man viel dafür tun muss. Der günstigste Zeitpunkt, mit einer Diät – oder auch einer Ernährungsumstellung – zu beginnen, ist der Tag nach dem Vollmond – das werden diejenigen bestätigen können, die nach dem Mondkalender leben.

 

Abnehmen beginnt im Kopf, das ist allgemein bewiesen. Also begann ich, mir vorzustellen, wie ich denn aussehen würde, wenn ich mein „Idealgewicht“ – wo immer das liegen würde, auch da habe ich mir kein Ziel gesetzt! – erreicht habe. Während einer Meditation sah ich mein Idealbild vor mir: einen schlanken Körper und einen leicht gebräunten Teint. Das Bild, das ich sah, gefiel mir. Ich stellte mir also – noch bevor ich überhaupt ein Gramm abgenommen hatte – jeden Abend vor dem Einschlafen dieses Bild vor. Und zufrieden schlief ich jedes Mal ein.

 

Ganz zufällig – ganz zufällig??? – fiel mir ein Buch über Trennkost von Ursula Summ in die Hände. Trennkost war gerade in aller Munde: Günter Strack und Rainer Hunold hatten seinerzeit mit eben dieser „Trenndiät“ erfolgreich abgespeckt. Trennkost: Was wird denn da getrennt? Das, was beim Essen Spaß macht, von dem, was gesund ist? Nein, mitnichten! Eiweiß von Kohlehydraten. Ganz einfach.

 

Jeder, der sich bereits mit irgendwelchen Diät-Radikalkuren gequält hat, hat sich schon mit den Nahrungsbestandteilen Eiweiß und Kohlehydraten beschäftigt. Dem Buch war ein großer Übersichtsplan beigelegt, welches Lebensmittel in welche Kategorie gehört. Und siehe da, die Sachen, die Spaß machen (Sahne, Schmand, Butter zum Beispiel!), die standen in der Spalte „Neutrales“. Na, denn mal los! Den Trennungsplan habe ich gleich am Kühlschrank befestigt; die Aufteilung der Gruppen ist schnell in Fleisch und Blut übergegangen. Und in Zweifelsfällen konnte ich vorm Öffnen des Kühlschranks flugs noch mal nachschauen.

 

Tolle Rezepte, die auch gleich ausprobiert wurden, mein Glas Wein, auf das ich als Nichtraucherin nicht verzichten wollte, und die Pfunde, die in kleinen Stückchen, aber dafür zuverlässig, purzelten – das machte Spaß. Gut fünf Monate habe ich durchgehalten und dabei rund 20 Pfund abgenommen. Dann kam eine größere Festlichkeit, verbunden mit einem zehntägigen Urlaub. Die ersten Tage wurde noch eisern getrennt. Denn auch im Urlaub oder bei Restaurantbesuchen ist Trennkost kein Problem. Aber der „innere Schweinehund“ und die beschwingte Urlaubslaune ließen mich doch ab und zu rückfällig werden. Nicht dass ich meine ursprüngliche Ernährungsweise vermisst hätte, ich brauchte ja auf nichts zu verzichten, nein, es war einfach die Urlaubslaune, die mich in den alten Trott zurückfallen ließ.

 

Trennkost ist eine einfache Sache. Vor allem – und eigentlich das Wichtigste: Trennkost ist keine Diät, sondern eine Ernährungsform. Eine gesunde noch dazu! Es treten keine Mangelerscheinungen auf (wie zum Beispiel beider Atkins-Diät, Käse-Diät, Kohlsuppen-Diät und was es sonst noch an ungesunden Crash-Diäten gibt!). Es ist empfehlenswert – jedenfalls am Anfang – die vorgegebenen Mengen in etwa einzuhalten. Aber da ich ein bequemer Mensch bin, der nicht gern abwiegt und zählt, habe ich nur konsequent getrennt und auf die angegebenen Mengen nicht so großen Wert gelegt. Geklappt hat es trotzdem. Und ein positiver Nebeneffekt hat sich eingestellt: Ich bin bewusster und aufgeschlossener geworden für eine gesunde Ernährung; mein Fleischkonsum ist fast bis auf Null gesunken.

 

Einen weiteren Vorteil für mich ganz persönlich sehe ich darin, dass ich mich nicht quälen muss, die neue Ernährungsweise mit Bewegung zu unterstützen. Ich bin ein Bewegungsmuffel. Ich halt's da eher mit Churchill: No sports! Jegliche Art von Sport ist mir zutiefst zuwider. Und so wie mir geht es sicher vielen anderen Menschen auch. Ein weiterer Vorteil ist: Man kann für die gesamte Familie die Mahlzeiten zubereiten. Durch die Trennung von Eiweiß und Kohlehydraten lässt man, wenn man gern ein Stück Fleisch essen möchte, einfach die Kartoffeln (Nudeln, Reis) dazu weg und ersetzt sie durch einen großen Salat oder viel Gemüse. Das ist noch relativ einfach. Bei den Kohlehydraten (enthalten in Kartoffeln, Nudeln, Reis und Getreide) ist es schon etwas komplizierter. Aber mit ein wenig Fantasie ist auch das kein Problem, denn gekochte neue Kartoffeln mit einem Gurken-Sahne-(Schmand-)Dip oder einfach Tzaziki sind eine Delikatesse.

 

In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen bei Ihrem nächsten Versuch, das Gewicht um ein paar Kilo zu verringern ...

 

© Marion Kroh 1995

 

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